Missbraucht und diskriminiert, so die aktuelle Gefühlslage Seiner Pestilenz. Man liegt defätistisch in Ecken herum und weiß nur noch zu weinen ob des ertragenen Leides. Das war sie also, die 3. Thüringer Bloglesung. Und wieder ohne Herrn Krauses Beteiligung; aber Scherz beiseite und Butter bei die Fische und ganz konkret gesprochen: Es war keine gute Idee, meine Bildpräsentation mit Picasa zu erstellen. Bis in den frühen Morgen hatte ich gesessen, die Nacht zum Tag gemacht, Fotos ausgewählt, geordnet und zu Filmen zusammengestellt. Und dann als wmv-Dateien ausgespielt. Und die, und das ist das perfide Diskrimierungselement der modernen technoiden Kulte, konnte Meister Jojo mit seinem MacBook nicht abspielen. Doch vielleicht, und lassen Sie mich an dieser Stelle nach diesem Strohhalm des Trostes greifen, vielleicht war es aber auch besser so, denn die Bilder der anderen Fotoblogger liefen verdammt unbetrachtet in den Raucherpausen. Möglicherweise sollten solche Beiträge als "echte" Programmpunkte in die nächste Bloglesung aufgenommen werden. Und wenn wir schon bei den kritischen Anmerkungen sind: Sicher ist die Kaffeerösterei ein schöner Ort zum, nun ja, Kaffee trinken. Oder auch Spaghetti essen und Gläser runterschmeißen, wie der Herr neben mir am Tresen, aber für eine Lesung war der Kulturbahnhof als Location im letzten Jahr besser geeignet, schon allein aus geräuschkulissonösen Gründen. Das Tassen- und Flaschengeklimper der Thekenmannschaft war den teilweise recht leise Vortragenden nicht zuträglich.

Was gab es sonst? Nun, eine kurzweilige Reihe von Texten bekannter und neuer Gesichter. Smikey machte Persönliches öffentlich (was ich aber leider akustisch nicht verstand), der Textspeier entschuldigte seine Nasenscheidewand, bemängelte fehlende revolutionäre Kampfkultur heutigentags und hatte nebenbei Geburtstag und der Herr Pulsiv berichtete detailliert von Sexmessen und seiner darmspiegeligen Defloration. Im zweiten Teil erklärte Rob mit einer Stripteaseeinlage die Ambivalenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung, Sapere Aude fegte den Gotteswahn mit einer Bibelexegese vom Tisch und wollte an selbem nur mit Sonnenbrille fotografiert werden, und DIE Entdeckung des Abends für mich, der Geschichtenerzähler, referierte in anbetungswürdigem Ostthüringer/Westsächsischen Dialekt über den Gynäkologenstuhl in Bin Ladens rosa getrichener Höhle. Im dritten Teil schließlich zeigte die extra aus Berlin angereiste Cuentacuentos lyrische Kraft und Witz in Zeilen über zu küssende Hände und vermeintlich verstorbene Katzen, die sichere Publikumsbank BastiH erzählte vom schwedischen Dixiegülleschrecken und der Trostlosigkeit geschwundener Beziehungskraft und zum Schluss zeigte Jojo in zeichentrickreicher Perfektion, warum er im Bett eine Taucherbrille trägt und trotzdem Leuchtsterne im Augapfel zu stecken hat. Und da die Bloggergemeinde nicht nur nimmt, sondern sich durchaus gebend zeigt, wurden im Anschluss verschiedentliche Präsente tombolaesk unters Volk geworfen. Der Verlauf des Abends wurde im Übrigen von Marcus moderat begleitet und unter anderem von Rene in die Welt getwittert und für die musikalische Pausenversorgung sollte DJ Suga unbedingt der gebührende Dank ausgesprochen werden.

Es ist also eine dufte Sache, quasi schon knorke, wenn man sich in der Bloggerszene ein wenig sozialisieren, ein Gesicht zum Webinhalt finden kann. Besonders ans Herz geht es zum Beispiel, wenn man von bislang völlig Fremden angesprochen wird und die sich dann als langjährige Leser und Fotobetrachter outen. Herz erwärmt und runter wie Öl, Sie wissen schon. Und so sollten die Thüringer Blogger an der schönen Lesetradition festhalten, das nächste Mal dann vielleicht sogar mal außerhalb Jenas und mit mehr oder besserem Platz für die Fotoblogger und noch mehr Publikum und noch mehr Lesern und Texten und Zeugs. Und mit Herrn Krause, soviel ist sicher.

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